Bei wem wird das Bobath-Konzept angewandt?
Das Bobath-Konzept ist ein Pflege- und Therapiekonzept für Patienten mit
Lähmungen durch Krankheiten des zentralen Nervensystems. Es eignet sich
besonders zur Rehabilitation von Patienten mit erworbenen Hirnschäden, wie
Schlaganfall (Apoplex), Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma, hypoxische
Hirnschädigung, Hirntumore und anderen Krankheiten des ZNS. Alle diese
Erkrankungen gehen mit zentralen Lähmungen (Paresen, Plegien), Störungen des
Muskeltonus (Spastik) und Störungen der Körperwahrnehmung einher. Die
umfangreichste Zielgruppe sind Patienten nach einem Schlaganfall. Davon gibt es
jährlich in Deutschland bis zu 500.000 neue Betroffene. Ältere Menschen über 60
Jahre sind besonders häufig Opfer eines Schlaganfalles.
Was bringt das Bobath-Konzept für die Patienten?
Mit dem Bobath-Konzept wird im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden keine
notdürftige Kompensation der Lähmungen sondern das Wiedererlernen verlorener
Bewegungsfähigkeiten erreicht. Intensive Mitarbeit des Patienten vorausgesetzt,
wird der gelähmte Patient wieder selbständiger in den Aktivitäten des täglichen
Lebens. Dauernde Pflegebedürftigkeit, Abhängigkeit von fremder Hilfe und
Unterbringung im Pflegeheim können so in vielen Fällen verhindert werden. Der
frühzeitige Einsatz therapeutischer Bobath-Pflege schon auf der Intensivstation
kann negative Entwicklungen, wie die Ausbildung von Spastik und das Erlernen
unphysiologischer Bewegungsabläufe vermindern helfen. Die fortgesetzte Anwendung
der Prinzipien des Bobath-Konzeptes bewirkt für alle Patienten bessere
Erfolgsaussichten in der weiteren Rehabilitation.
Was bringt das Bobath-Konzept für Pflege und Therapie?
Die Pflegearbeit nach Prinzipien des Bobath-Konzepts ermöglicht therapeutische
Pflege als ständigen Bestandteil des gesamten Tagesablaufes des Patienten
(24-Stunden-Konzept). Pflege, therapeutische Mitarbeiter und Ärzte arbeiten
zusammen nach den gleichen, berufsübergreifenden Prinzipien. Pflegetherapeuten
verbringen die meiste Zeit mit dem Patienten. Deshalb übernehmen Altenpflege und
Krankenpflege im Bobath-Konzept wichtigste therapeutische Aufgaben. Alle an der
Rehabilitation Beteiligten arbeiten eng zusammen. Patient, Ärzte,
Pflegetherapeuten, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Sprachtherapeuten, andere
Therapeuten und Angehörige des Patienten orientieren sich an einem gemeinsamen
berufsübergreifenden Therapieschema, den Prinzipien des Bobath-Konzeptes.
Wie "funktioniert" das Bobath-Konzept?
Das Bobath-Konzept basiert auf der lebenslangen Fähigkeit des Nervensystems,
sich Reizen durch Strukturänderung anzupassen (Plastizität des Nervensystems,
Neuroplastizität). Durch spezielle Arten der Lagerung, der Bewegung des
Patienten innerhalb und außerhalb des Bettes (Handling) und der Anleitung bei
allen Lebensaktivitäten (AEDL, ATL), wie z. B. Körperpflege, Essen und Trinken
und An- und Auskleiden wird diese Lernfähigkeit im Alltag des Betroffenen
ausgenutzt. Dem Nervensystem werden wiederholt richtige Lernangebote als
Stimulation entgegengebracht. Der Alltag des Betroffenen wird so zur Therapie.
Arbeitsprinzipien des Bobath-Konzeptes sind die Erarbeitung eines angepaßten
Muskeltonus, die Anbahnung physiologischer Bewegungsabläufe und die Verbesserung
der Körper-Wahrnehmung.